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Ansprechpartner
Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA)
Stäube - Fasern
Tel.: 02241 231-2548
Dr. Heinz Otten
Abteilung Sicherheit und Gesundheit (SiGe)
Referat "Prävention und Berufskrankheiten, Zentrale Betreuungsstelle Wismut (ZeBWis)"
Tel.: 02241 231-1370
Dr. Thorsten Wiethege
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV (IPA)
Zentralbereich und fachübergreifende Aufgaben
Tel.: 0234 302-4507
Asbest
Hintergrund
Bis zum Jahr 1980 wurde Asbest aufgrund seiner vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten in mehr als 3.000 verschiedenen
Produkten eingesetzt. Von Mitte der 1960er- bis Ende der 1970er-Jahre erreichten die Asbestimporte der Bundesrepublik
Deutschland durchschnittlich rund 170 000 Tonnen pro Jahr (in der DDR bis zu 70 000 Tonnen pro Jahr). Durch immer
weiter reichende Herstellungs- und Verwendungsverbote seit Ende der 1970er-Jahre und dadurch zunehmenden Ersatz von
Asbest ist dessen Verbrauch in der Bundesrepublik Deutschland bis Anfang der 1990er-Jahre auf null abgefallen.
Die Exposition gegenüber Asbest an Arbeitsplätzen in vielen Branchen in Deutschland konnte durch Arbeitsschutzmaßnahmen
bereits vor dem Expositionsverbot deutlich reduziert werden. Dennoch bleibt Asbest ein viel diskutiertes Thema, da
durch Asbest verursachte schwere Berufskrankheiten oft erst nach sehr langer Zeit in Erscheinung treten. Heute besteht
im Wesentlichen bei Abbruch- und Sanierungsarbeiten noch die Gefahr einer Belastung durch Asbeststäube.
In Deutschland besteht seit 1993 gemäß Gefahrstoffverordnung ein Verbot des Inverkehrbringens von Asbest und
asbesthaltigen Materialien. Dieses Verbot gilt seit 2005 auch auf europäischer Ebene. Bei Tätigkeiten, bei denen
Arbeitnehmer Asbestexpositionen ausgesetzt sein können (Abbruch- und Sanierungsarbeiten, Umgang mit mineralischen
Rohstoffen) sind nach Gefahrstoffverordnung Maßnahmen mit dem höchsten Schutzniveau durchzuführen.
Berufskrankheiten
In Deutschland werden in der Anlage 1 zur Berufskrankheitenliste derzeit vier
Asbest-bedingte Krankheitsbilder geführt:
BK 4103 - Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose) oder durch Asbeststaub verursachte Erkrankung der Pleura
BK 4104 - Lungenkrebs oder Kehlkopfkrebs
- in Verbindung mit Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose)
- in Verbindung mit durch Asbeststaub verursachter Erkrankung der Pleura oder
- bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Asbestfaserstaub-Dosis am Arbeitsplatz von mindestens 25 Faserjahren (25 x 106 [(Fasern/m3) x Jahre])
BK 4114 - Lungenkrebs durch das Zusammenwirken von Asbestfaserstaub und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Dosis, die einer Verursachungswahrscheinlichkeit von mindestens 50 Prozent nach der Anlage 2 der BKV entspricht.
Präventionsziel
Ein zentrales Präventionsziel der gesetzlichen Unfallversicherung ist die Verhütung von
Berufskrankheiten. Primäre Schutzmaßnahmen wurden schon vor langer Zeit eingeführt und Asbest schließlich verboten. Die
Asbest-bedingten Erkrankungen heute sind Folge lange zurückliegender Expositionen in Zeiten, in denen das Wissen um die
Gefährlichkeit noch zu gering war und Ersatzstoffe für Asbest noch nicht zur Verfügung standen. Daher kommt heute
gerade der Früherkennung (Sekundärprävention) beruflicher verursachter Asbest-bedingter Erkrankungen Bedeutung zu. Auch
wenn Asbestosen und Mesotheliome heute noch nicht oder nur sehr bedingt heilbar sind, so kann eine frühzeitige
Diagnose die Chancen einer Therapie oder eines günstigeren Krankheitsverlaufs verbessern.
Nachgehende Untersuchungen
Da Asbest-bedingte Erkrankungen in den meisten Fällen erst Jahre oder Jahrzehnte nach der
asbeststaubgefährdenden Tätigkeit auftreten, haben die Versicherten einen gesetzlichen Anspruch darauf, auch über das
Berufsleben hinaus arbeitsmedizinisch betreut zu werden. Diese so genannten nachgehenden arbeitsmedizinischen
Untersuchungen dienen dem frühzeitigen Erkennen derartiger Erkrankungen. Eine entsprechende Betreuung liegt damit
im Interesse jedes Betroffenen. Die nachgehenden Untersuchungen werden in regelmäßigen Zeitabständen vom Bereich
Gesundheitsvorsorge (GVS), einer Gemeinschaftseinrichtung aller gesetzlichen Unfallversicherungsträger, angeboten
und von beauftragten Ärzten wohnortnah durchgeführt. Die Teilnahme an diesen Untersuchungen ist freiwillig und für die
Versicherten kostenlos. GVS registriert die Daten der Arbeitnehmer, die gegenüber Asbeststaub exponiert waren. Damit
lassen sich Untersuchungen zielgenauer planen und organisieren. Im Falle des BK-Verdachts sind die Daten von großem
Wert bei der Durchführung des Feststellungsverfahrens.
National wie international haben die Einrichtung GVS (vormals: ZAs) und das Verfahren der nachgehenden Vorsorge schon
früh große Anerkennung erfahren.
Forschung
Eine optimale Sekundärprävention bei ehemals exponierten Beschäftigten erfordert aber auch die ständige
Weiterentwicklung geeigneter und möglichst nicht-invasiver diagnostische Verfahren. Die DGUV unterstützt in diesem
Zusammenhang verschiedene Projekte externer Einrichtungen, führt in ihren eigenen Instituten aber auch selber
entsprechende Forschungsprojekte durch.
Ziel der am Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV
(IPA) in Bochum in Zusammenarbeit mit verschiedenen Unfallversicherungsträgern durchgeführten
Präventionsstudie MoMar ist zum Beispiel
die Validierung von neuen molekularen Markern zur Früherkennung von Mesotheliomen und anderen asbestassoziierten
Tumoren. Im Gegensatz zu den bisherigen Ansätzen der Biomarkerentwicklung erlaubt diese Verlaufsuntersuchung
entsprechende Marker gezielter zu entwickeln und auch unter praxisnahen Bedingungen zu validieren. Die
Teilnehmer an der Studie sind Versicherte, bei denen eine Asbestose bekannt ist und die somit
bereits an regelmäßigen Nachuntersuchungen teilnehmen. In dem Projekt arbeiten derzeit bereits fünf
Berufsgenossenschaften (BG BAU, BG RCI, BGM, BG ETEM, MMBG) aktiv mit.
Weitere Informationen:
Übersicht:
O. Hagemeyer H. Otten, T. Kraus
Asbestos consumption, asbestos exposure and asbestos-related occupational diseases in Germany. Int Arch Occup Environ
Health (2006), 79: 613-620

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